Aktuelles

Dies ist der Versuch, mal den Status Quo der Mettmanner Schullandschaft zusammenzufassen, unideologisch, sachlich und ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit.

Zur Gesamtbetrachtung gehört, dass wir in Mettmann die Hauptschule dicht gemacht haben und die Sekundarschule abgelehnt haben. Man könnte auch sagen, dass wir in Mettmann diejenigen, die am meisten Unterstützungsbedarf haben seit längerer Zeit vernachlässigen. Anschließend wurde noch jahrelang ergebnislos diskutiert, um dann im vergangenen Jahr eine Entscheidung zu fällen, die auf unterschiedlichen Ebenen jahrzehntelang wirken wird.
Die Bilanz der Verantwortlichen für Mettmanns Schullandschaft lässt außen vor, was ein Projekt dieser Größenordnung braucht: Weitsichtige Planungsarbeit.
Ohne adäquate Konzeption sind negative Folgen noch weniger auszuschließen, als sonst.
Wir schauen augenblicklich nicht wirklich auf eine insgesamt für Mettmann nachhaltige Schullandschaft. Und vor allem ist vergessen worden, eine möglichst breite Mehrheit der Mettmanner:innen „mitzunehmen“.

Natürlich nicht öffentlich, sondern nur hinter vorgehaltener Hand haben beispielsweise Rats-Mitglieder durchaus ihr Bedauern bekundet, wie „der ganze Prozess nun gelaufen sei“ und „da hätte man sich unter anderem schon die Mitnahme der ganzen Mettmanner Bevölkerung gewünscht“.
Dies unter Bezug auf die Konsequenzen, die mit der Gesamtschule, den jahrelangen Baumaßnahmen und den damit verbundenen Kosten, die ja von der Allgemeinheit getragen werden müssen.
Es bleibt ja dabei, Mettmann kann sich dies momentan schlicht nicht leisten. Jedenfalls nicht ohne kräftige Grundsteuer-B-Erhöhungen, die aber eben alle bezahlen.

Und vor diesem Hintergrund sei an die weiteren anstehenden Großprojekte erinnert, die bereits jahrelang „liegengeblieben“ sind und für die nun kaum noch Kapazitäten da sind: Stadthalle, Feuerwehr, Innenstadt, sozialer Wohnungsbau und die so notwendige wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt.

Zurück zur Schullandschaft.
Es kommen ja weitere Schwierigkeiten hinzu. So ist zu fragen, inwieweit die Anmeldezahlen variiert hätten, wäre eine Anmeldung an der Realschule möglich gewesen. Diese Möglichkeit hatte Dezernatsleiter Mirko Sucic im März 2020 noch ausdrücklich zugesagt. Einer der Dreh- und Angelpunkte der Realschul-Initiative. Denn es darf tatsächlich mindestens bezweifelt werden, dass die notwendige Zahl von 100 Anmeldungen für die Gesamtschule erreicht worden wäre, wäre eine Anmeldung an der Realschule möglich gewesen.

Und ist allen Eltern, die ihre Kinder an der Gesamtschule angemeldet haben eigentlich bewusst, unter welchen Bedingungen ihre Kinder dort zur Schule gehen werden? Container und eine jahrelange Baustellen-Situation sind nur zwei Unabwägbarkeiten.
Es gibt ja bislang nach wie vor keinen Standort für die Gesamtschule, einzig der Ort für den Start in knapp drei Monaten ist sichergestellt.
Was vorliegt, sind Gutachten und Machbarkeitsstudien. Aus denen geht wiederum hervor, dass offenkundig an der Goethestraße schlicht der Platz für eine mehr als sechszügige Gesamtschule fehlt.
Bestenfalls 6-zügig scheint möglich, gestartet wird im August mangels Kapazitäten mit fünf Zügen á 29 Schülern:innen. Inwieweit dies unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ja auch Kinder mit Förderbedarf diese Klassen besuchen werden, nun den Richtlinien entspricht oder auch nur klug ist, darf auch gefragt werden. Und zu all´ dem kommt, dass wir laut Schulentwicklungsplan künftig 8-zügige Möglichkeiten vorhalten sollten.

Bevor Kinder auf weiterführende Schulen gehen, besuchen sie die Grundschulen. Auch hier gibt es anerkanntermaßen großen Nachholbedarf, was Sanierungen und Ausbauarbeiten an verschiedenen Standorten in Mettmann angeht. Wir haben dazu mehrere Anträge gestellt, unter anderem auch zu dem notwendigen Neubau einer Grundschule. Mit dem Hinweis auf fehlende Kapazitäten wurden diese Anträge ad acta gelegt.

Schauen wir auf die beiden wichtigsten Komponenten für die Kinder, das pädagogische Konzept und die inhaltlichen und fachlichen Möglichkeiten, die die Schule den Kindern und später Jugendlichen bieten kann oder/und wird. Zum pädagogischen Konzept lässt sich noch nichts Konkretes sagen.
Und letztlich gilt das gleiche für die Zukunftschancen. Da wird sicher auch ein wesentlicher Faktor die Ausgewogenheit sein. Inwieweit werden die einzelnen Jahrgänge also zumindest einigermaßen ausgeglichen und dem Gesamtschulkonzept entsprechend leistungsheterogen besetzt sein?

Und in diesem Zusammenhang werfen wir doch auch mal einen Blick auf die beiden Mettmanner Gymnasien. Hier hat sich in den letzten Jahren ein deutliches Gefälle entwickelt. Dies hat sich zuletzt auch drastisch in den Anmeldezahlen widergespiegelt. Für das kommende Schuljahr wurden für das HHG ursprünglich 125 Anmeldungen und für das KHG 71 Anmeldungen gezählt. Vergleicht man nur die Standorte scheint zumindest das HHG klar im Vorteil zu sein, zumindest was Raumgegebenheiten, etwaige Ausbaumöglichkeiten und das Sport- und Bewegungsangebot angeht.

Wie soll oder kann in unserer Stadt das für den Erfolg einer Gesamtschule notwendige heterogene Gefüge entstehen, wenn zwei Gymnasien am Ort sind und dazu eine weitere Sekundarstufe II am großen Berufskolleg Neandertal? Oder sorgt dieser Umstand am Ende dafür, dass wir nur theoretisch eine Gesamtschule errichten und in der Praxis aber nun doch eine Sekundarschule bekommen?

Wie klug ist es, ein Projekt zu starten, bei dem es noch immer mehr Fragen als Antworten, mehr Probleme als Lösungen gibt?

Wäre es nicht an der Zeit, doch noch den Versuch zu unternehmen, eine aus möglichst vielen Perspektiven verträgliche, zukunftsorientierte und möglichst vielfältige Schullandschaft für Mettmann zu planen?
Wir plädieren nach wie vor dafür, lieber einmal mehr nachzudenken, als womöglich Jahrzehnte zu hadern, wegen einer übereilt getroffenen Entscheidung, die uns als Stadt am Ende gegebenenfalls mehr Nachteile als Vorteile verschafft.

Schlussendlich sehen wir in der Sache bis dato keinen Grund, von unserer ursprünglichen Haltung abzurücken. Wir bevorzugen nach wie vor die Lösung mit einer vierzügigen  Gesamtschule und dem gleichzeitigen Erhalt der Realschule.